Posts mit dem Label Eigenheim werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Eigenheim werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 28. April 2015

Niedergang der Bausparkassen

Ein paar Jahre sparen und dann einen günstigen Kredit fürs Haus bekommen: Mit diesem Angebot hatten die Bausparkassen lange Erfolg. Ausgerechnet jetzt im Häuserboom kommen sie in eine schwere Krise. Wie kann das sein?

Den Originalartikel der Frankfurter Allgemeine (faz) finden Sie hier:



Den Ruf, übertrieben cool zu sein, hatte Bausparen nie. Seit Jahren kämpfen die Bausparkassen dagegen. In allerlei Fernsehwerbung haben sie versucht, den jungen Menschen den eklatanten Widerspruch vor Augen zu führen: Ihr alle wollt schöner wohnen und keinen Ärger mit dem Vermieter? Warum findet ihr dann Bausparen spießig? In der Vergangenheit konnten die Bausparkassen sich jedoch stets darauf verlassen: Auch ohne hippes Image wurden ihre Produkte in Deutschland zuverlässig nachgefragt. Wenn jemand sein Haus bauen wollte, dann hat er sich zwar den Großteil des Geldes als Baukredit von der Bank geliehen. Aber einen Grundbestand hatte er zuvor angespart – und zwar mit einem Bausparvertrag.

Das scheint sich im Augenblick zu ändern – und es trifft die Bausparkassen ins Mark. Obwohl es in Deutschland einen Immobilienboom gibt und gebaut, ausgebaut und renoviert wird wie lange nicht mehr, können die Bausparkassen davon nicht recht profitieren. Obwohl die Flucht in die Immobilien für viele Sparer eine der wenigen Möglichkeiten ist, der Niedrigzinsfalle zu entkommen, machen die Bausparkassen damit kein Jahrhundertgeschäft – die ersten könnten sogar selbst bald Opfer der Niedrigzinsphase werden.

Den Bausparkassen geht es nicht gut

„Das Geschäftsmodell der Bausparkassen ist hochgradig gefährdet“, sagt Dirk Schiereck, Bankenprofessor in Darmstadt. Im Moment schaffen es viele Bausparkassen zwar noch, ihre Geschäftszahlen gut aussehen zu lassen. Die Bausparkasse Wüstenrot beispielsweise, die in der vergangenen Woche ihre Zahlen vorgestellt hat, konnte durch einen Beteiligungsverkauf einen Teil der negativen Effekte aus den sinkenden Zinsen wettmachen. Schiereck jedoch prophezeit: „Wenn die Niedrigzinsphase noch zwei, drei Jahre anhält, werden die ersten Bausparkassen in existentielle Not geraten.“ Die Bausparkassen seien die „noch viel zu wenig beachteten Verlierer der Niedrigzinspolitik“.

Was steckt dahinter? Warum treffen die niedrigen Zinsen die Bausparkassen so besonders? Und: Muss die Zukunft der Branche auch den deutschen Bausparern Sorgen bereiten?

Erste Anzeichen jedenfalls, dass es den Bausparkassen nicht so richtig gut geht, sind unübersehbar. Sogar die größte deutsche Bausparkasse, Schwäbisch Hall, bei der es noch besser läuft als bei so manchem Konkurrenten, hat bei der Vorstellung ihrer Jahresergebnisse keinen Hehl daraus gemacht. Vorstandschef Reinhard Klein kündigte an, die Kosten um 50 bis 80 Millionen Euro im Jahr reduzieren und 200 bis 250 Stellen streichen zu wollen – „sozialverträglich“, versteht sich.

Viele Verträge noch mit hohen Zinsen abgeschlossen

Ein Teil der Bausparer bekam die Probleme der Branche aber noch unmittelbarer mit: Eine Reihe von Bausparkassen sind dazu übergegangen, ältere Bausparverträge, bei denen bestimmte Bedingungen erfüllt waren, von sich aus zu kündigen: Einer Frau aus Rheinland-Pfalz beispielsweise, die noch zwei Bausparverträge aus den achtziger Jahren über jeweils 10.000 Euro hatte, bei denen sie noch 2,5 Prozent Zinsen bekam.

In anderen Verträgen aus den neunziger Jahren sind zum Teil sogar noch mehr als 3,5 Prozent Zinsen vereinbart – etwa das Dreifache von dem, was man heute auf einem Tagesgeldkonto bekommt. Inzwischen wurden mehr als 150.000 Verträge gekündigt – die meisten von den Landesbausparkassen, aber auch einige von privaten Bausparkassen wie Wüstenrot.

Wenn bei diesen alten Verträgen bereits 100 Prozent der Bausparsumme angespart wurden, scheint die Kündigung durch die Bausparkasse weniger problematisch zu sein. Strittig sind vor allem Fälle, in denen noch nicht die volle Bausparsumme erreicht wurde, aber die Bausparverträge seit mehr als zehn Jahren zuteilungsreif sind; also im Prinzip ein Bauspardarlehen in Anspruch genommen werden könnte, der Sparer das aber nicht macht. Das werteten einige Bausparkassen als Indiz dafür, dass der Bausparvertrag als reine Kapitalanlage „missbraucht“ werde, ihre eigentliche Bestimmung als „Zwecksparen“ also abhandengekommen sei – und leiten daraus ein Kündigungsrecht ab.

Niedrige Zinsen machen Bausparkassen zu schaffen

Ein Skandal, wie Verbraucherschützer kritisieren: Es liege nicht im Ermessen der Institute, Verträge zu kündigen, nur weil ihnen die damals vereinbarten Zinsen heute nicht mehr passten. Zum Teil werden diese Fälle die deutsche Justiz wohl noch einige Zeit beschäftigen. Eine höchstrichterliche Rechtsprechung jedenfalls fehlt bislang. Es gibt lediglich Schiedssprüche und ein Urteil des Landgerichts Mainz aus dem Jahre 2014 – zugunsten der Bausparkassen.

Was steckt dahinter, wenn eine Branche, um die es ziemlich lange ziemlich ruhig war, auf einmal so für Negativschlagzeilen sorgt?

Oberflächlich betrachtet, haben die Bausparkassen einfach mit denselben Schwierigkeiten zu kämpfen wie viele Sparkassen auch. Die Zinsen sind extrem niedrig, und sie unterscheiden sich für längere Fristen kaum von kürzeren. Das lässt die Marge schrumpfen: Kreditinstitute, die davon gelebt haben, dass die langfristigen Zinsen für Kredite deutlich höher waren als die kurzfristigen für Spareinlagen, haben ein Problem.
Aber: Bei den Bausparkassen kommt ein zweiten Problem hinzu. Die Idee des Bausparens war schließlich so: Man spart eine Zeitlang. In dieser Zeit bekommt man für seinen Bausparvertrag nicht so richtig viel Zinsen. Dafür gibt es nach dieser Ansparphase, wenn man sein Haus tatsächlich baut, einen Kredit zu vergleichsweise günstigen Konditionen.

Baukredit als Kapitalanlage

Heute dagegen haben die Bausparkassen kaum mehr die Möglichkeit, die anderen Banken bei den Darlehenszinsen deutlich zu unterbieten. „Man bekommt heute ja schon bei Banken Baufinanzierungen für weniger als zwei Prozent Zinsen angeboten“, sagt Bankenprofessor Schiereck. „Das können die Bausparkassen schwer unterbieten, wenn man auch noch die entsprechenden Gebühren berücksichtigt.“ Und selbst wenn es noch einen kleinen Abstand zwischen Baugeld und Bauspardarlehen gebe, sei es vielen Bauherren schlicht zu lästig, für einen minimalen Zinsvorteil zwei verschiedene Kredite aufzunehmen und sich darum zu kümmern.

Das Ergebnis: Bausparverträge werden von vielen nicht mehr als eine Möglichkeit gesehen, günstig an einen Hauskredit zu kommen. Sondern lediglich als eine Kapitalanlage, die noch vergleichsweise gut verzinst wird. Man muss das Bauspardarlehen schließlich nicht in Anspruch nehmen. In besonderem Maße gilt das für ältere Bausparverträge, bei denen die Sparzinsen noch deutlich höher waren.

Das hat für die Bausparkassen fatale Folgen: Sie haben jede Menge Spareinlagen. Aber ihnen fehlen attraktive Möglichkeiten, das Geld, das nicht als Darlehen ausgereicht wird, wieder zu vernünftigen Zinsen anzulegen.

Und es wird immer schlimmer: Je mehr alte Geldanlagen mit hohen Zinsen auslaufen, in die Bausparkassen investiert hatten, desto schwieriger wird es für sie, eine attraktive neue Anlage zu finden.

Sparkassen forderten schon staatliche Sparzulage

Ähnlich wie bei Lebensversicherungen wird dieses Problem dadurch verschärft, dass den Bausparkassen vom Gesetzgeber nicht alle Möglichkeiten der Geldanlage erlaubt sind. Verboten sind den Bausparkassen beispielsweise Aktiengeschäfte oder das Eingehen von Währungsrisiken. Dabei gehören gerade Aktien zu den wenigen Anlagen, die im Augenblick noch etwas Rendite bringen, wie viele Sparer aus leidvoller Erfahrung wissen. Hingegen sind „mündelsichere Anlagen“ wie deutsche Staatsanleihen oder Pfandbriefe, die durch Immobilien besichert sind, im Augenblick nicht gerade die Renditebringer. Und in sie sollen die Bausparkassen vor allem investieren, so sieht es die Gesetzeslage vor.

Auch bei den Bausparkassen sieht man die Probleme, die auf sie zukommen – und schreit nach dem Staat. Während einzelne Sparkassen zuletzt schon gefordert hatten, der Staat solle künftig eine Sparzulage zahlen, um das Sparen für die Sparer wieder attraktiv zu machen, setzen die Bausparkassen sich für eine Änderung des Bauspargesetzes durch den Bundestag ein. Das ist ihre Art, in der Krise nach staatlicher Hilfe zu rufen.


Ihr Wunsch: Den Bausparkassen sollte erlaubt werden, ihr Geld mit mehr Rendite, aber damit natürlich mit mehr Risiko anzulegen. Ihnen könnte beispielsweise eine gewisse Aktienquote zugestanden werden. „Die Bausparkassen wollen nicht zocken“, sagt Andreas Zehnder, der Chef des Verbandes der Privaten Bausparkassen. Gleichwohl müsse „geprüft“ werden, ob der Anlagekatalog der Produkte, in die Bausparkassen investieren dürfen, nicht ergänzt werden könne.

Eine andere Möglichkeit: Den Bausparkassen könnte erlaubt werden, überschüssige Mittel aus Bausparverträgen als ganz normale Baukredite zu marktüblichen Zinsen auszuleihen. Das dürfen sie heute nicht. Eine Bausparkasse, die normales Baugeld ausleihen will, muss dazu heute nachweislich Fremdmittel aufnehmen.

Bankenaufsicht hat Bausparen im Blick

Ein dritter Wunsch der Bausparkassen: Es könnte Erleichterungen bei Fusionen geben. Wenn es vielen Bausparkassen in Zukunft schlecht gehen wird, könnten Übernahmen schließlich häufiger werden. Bislang gibt es dabei gesetzliche Vorschriften, die zum Beispiel das Verschmelzen von zwei EDV-Systemen zweier Bausparkassen schwierig machen.

Gespräche mit der Politik und den Aufsichtsbehörden darüber gebe es schon länger. „Wir hoffen, dass die Gespräche in diesem Jahr in eine Gesetzesinitiative einmünden“, sagt Verbandschef Zehnder. „Konkrete Absichten des Bundesfinanzministeriums sind uns allerdings nicht bekannt.“

Bankenprofessor Schiereck treibt denn auch eine ganz andere Sorge um: Wenn die Bausparkassen zunehmend merken, dass ihr altes Geschäftsmodell nicht mehr funktioniert, gehen sie möglicherweise höhere Risiken ein. „Bausparkassen könnten verstärkt in die Übergangs- und Zwischenfinanzierung für Immobilien einsteigen – aber das ist mit mehr Risiko verbunden.“

Selbst die Bundesregierung hat diese Entwicklung schon auf den Plan gerufen. Auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen im Bundestag hin ließ sie antworten, man habe die Bankenaufsicht Bafin gebeten, die Entwicklung der Risikosituation und die Solvenz der Bausparkassen zu überwachen und „gegebenenfalls Maßnahmen zu ergreifen“. Die Bankenaufsicht wiederum versichert, man beobachte die Bausparkassen genau. „Geschäftsmodelle wie das Bausparen oder die Lebensversicherung sind in besonderer Weise den Folgen eines anhaltenden Niedrigzinsumfeldes ausgesetzt“, warnt der neue Bafin-Chef Felix Hufeld. Von Gesetzesänderungen scheint er trotzdem im Moment nicht viel zu halten.

Die Risiken für Bausparer sind wohl begrenzt

Die Risiken für die Bausparer selbst sind allerdings wohl begrenzt. Mit der Möglichkeit, dass der eine oder andere lukrative alte Bausparvertrag von der Bausparkasse gekündigt wird, muss man offenbar rechnen. Je nach den genauen Umständen kann man dagegen rechtlich vorgehen Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg bietet dazu einen Musterbrief an.

Das größere Risiko, dass in Zukunft Bausparkassen in Deutschland insolvent werden und man als Bausparer sein Geld verliert, ist hingegen durch die Einlagensicherung offenbar nicht besonders hoch. Zumindest, wenn nicht das gesamte Finanzsystem zusammenbricht. Für die Bausparkassen gibt es dabei sogar zwei Säulen der Einlagensicherung: Die meisten Bausparkassen gehören dem Bausparkassen-Einlagensicherungsfonds an. Zudem gibt es noch Systeme der Einlagensicherung der einzelnen Bankengruppen. Dass diese Sicherungssysteme alle kippen, ist nicht ausgeschlossen, aber unwahrscheinlich.
„Als Kunden sind die Bausparer in einer abgesicherten Position“, meint Bankenexperte Schiereck. „Für das Finanzsystem und die Grundidee des Bausparens aber besteht eine erhebliche Bedrohung.“


eBook: 12 + 1 exklusive Tipps, die Sie garantiert vor großem Schaden bewahren!

Holen Sie sich diesen Amazon-Bestseller von Peter Härtling:
http://www.goldener-ruhestand.de/ebook-mythos-eigenheim


Donnerstag, 23. April 2015

Wie Familien sich mit dem Eigenheim ruinieren

Hier haben wir einen tollen Artikel gefunden und möchten Ihn gerne zur Verfügung stellen:

Er ist im Original auf www.welt.de nach zu lesen: 
http://www.welt.de/finanzen/immobilien/article138895809/Wie-sich-Familien-mit-dem-Eigenheim-ruinieren.html



Hier der Originialtext:
“Junge Familien zieht es noch immer ins eigene Häuschen aufs Land. Doch das Vororthaus im Grünen könnte sich bald rächen. Denn es wird in vielen Fällen zu einem finanziellen Risiko.

Das Einfamilienhaus in einer Vorortsiedlung ist die denkbar ungeeignetste Wohnform", sagt Reiner Nagel von der Bundesstiftung BaukulturDort, wo sich einst streng begrenzte Stadtkörper klar konturiert von den Wiesen und Feldern ihrer großräumigen Umgebung abhoben, verfilzen sich heute amorph auseinanderfließende Randgebiete mit einer missgestalteten Nutzlandschaft zu einem städtebaulichen Chaos.

“Was sich wie ein Kommentar zur heutigen Städteplanung liest, stand bereits vor 57 Jahren in der "Deutschen Bauzeitschrift”. Schon damals also warnten Experten vor den Gefahren der Zersiedelung durch neu entstehende Einfamilienhaus-Gebiete.Dabei war die Zerstörung von Landschafts- und Stadtbild in jener Zeit noch vergleichsweise geringfügig. 

Erst in den 70er- und 80er-Jahren, als breite Bevölkerungsschichten nachhaltig zu Wohlstand gelangt waren, entfaltete der Traum der Bundesbürger vom Häuschen im Grünen sein ganzes Potenzial.Und noch heute verschwindet nach Angaben des Umweltministeriums täglich eine Fläche von 104 Fußballfeldern unter Asphalt und Beton, ein Gutteil davon für das Bedürfnis der Menschen nach immer mehr Wohnraum. 

Ein Bedürfnis, das vor allem junge Familien, so sie es sich irgendwie leisten können, am liebsten mit dem flächenfressenden Bau von Einfamilienhäusern stillen.Nachfrage außerhalb der Zentren nimmt abRationale Argumente haben da gegen den emotional gesteuerten Nestbautrieb kaum Chancen. 
“Das Einfamilienhaus in einer Vorortsiedlung ist die denkbar ungeeignetste Wohnform”, 
sagt Reiner Nagel von der Bundesstiftung Baukultur
“Die Zahl der Bundesbürger wird von heute 82 auf 56 Millionen Einwohner im Jahr 2050 schrumpfen, wenn der Prozess nicht durch Zuwanderung gebremst wird.”
Und für eine alternde und schrumpfende Bevölkerung gebe es nun einmal keine Nachfrage nach dem Einfamilienhaus außerhalb der Stadtzentren. Nagel weiß: “Wir haben jetzt schon massive Wertverluste in solchen Gebieten, wenn zentrale Versorgungsangebote im Umfeld fehlen und kein ausreichender öffentlicher Nahverkehr vorhanden ist.
"Und dass sich das Vororthäuschen meist nicht als das sprichwörtliche "Betongold”
erweist, müssen gerade all diejenigen schmerzhaft erfahren, die in den Boomjahrzehnten des vorigen Jahrhunderts gebaut haben und nun, da die Kinder aus dem Haus sind, vergebens auf einen lukrativen Verkauf hoffen.Eine Studie der Wüstenrot-Stiftung etwa dokumentiert eine bedrückende Entwicklung in den strukturschwachen ländlichen Einzelhaus-Gebieten. 
Die Häuser, für die sich die Familien einst hoch verschuldet haben, sind am Markt kaum gefragt. Und wenn sie doch einen Käufer finden, dann meist erst nach zähen Verhandlungen und mit hohen Abschlägen.Siedlungen können schnell verwahrlosen. 

Doch damit nicht genug: Für die betreffenden Siedlungen besteht, so Reiner Nagel, die Gefahr der Verwahrlosung. Da genüge es manchmal schon, wenn es nur zwei, drei leer stehende Häuser im Umfeld des eigenen Hauses gebe, die aufgegeben und zugenagelt wurden.Und wenn sich immer mehr sozial Schwache auf der Suche nach günstigem Wohnraum ein preisgünstiges Einfamilienhaus kauften, könnten sich diese einst bürgerlichen Siedlungen zu sozialen Brennpunkten entwickeln. 

Eine Entwicklung, die bisher nur aus den Banlieues, den französischen Vorstädten, oder aus Teilen der USA bekannt ist.Aber wenn es nicht der Aspekt des erhofften Werterhalts ist – was treibt die Menschen dann noch immer zu Tausenden aus den Städten zum Wohnen ins Grüne? 

Die Ästhetik als möglicher Beweggrund jedenfalls scheidet aus.Wer jemals die Siedlungen des deutschen Fertighaus-Marktführers Town and Country gesehen hat, die sich seit einiger Zeit vor allem in Ostdeutschland wie Krebsgeschwüre immer tiefer in die Landschaft hineinfressen, möchte nicht recht an die Zukunft dieser Bauform glauben.Das Haus vom Discounter. Der Slogan des Herstellers lautet: 
“Billiger als die Guten und sicherer als alle anderen." 
Und in der Tat: Die halbe Milliarde Umsatz, die Town and Country im Jahr 2012 erwirtschaftet hat, verdankt das Unternehmen neben dem Discounter-Effekt sicher auch der Angst vieler Bauherren vor dem Unwägbaren. Nicht nur der berechenbare All-inclusive-Preis ist offenbar verführerisch, sondern auch der Verzicht auf die Zusammenarbeit mit einem Architekten, dem landläufig immer noch der Ruf des schwierigen Künstlers anhaftet. 

Weniger als fünf Prozent aller Haus-Bauherren sind überhaupt bereit, ihr Projekt diesem Berufsstand anzuvertrauen.Der gelernte Architekt Reiner Nagel, viele Jahre für die Stadtplanung Hamburgs und Berlins verantwortlich, bedauert das 
"Übermaß an Emotionalität und übersteigertem Sicherheitsdenken”, 
das immer noch den Wunsch nach den eigenen vier Wänden dominiert. “Da ist eine Entwicklung entstanden, die hochriskant geworden ist."Kaum jemand, der aus Gründen der Familiengründung von der Stadt auf Land zieht, sei sich vorher über die Nachteile dieses Schritts im Klaren: der Verlust an Mobilität, die zeitfressende Pendelei, die Situation der Gesamtfamilie, mit der man weniger Zeit verbringen kann als gedacht.

Nachbarschaftsprobleme gibt es auch auf dem Land
Auch die Tatsache, dass ein Partner oft bei den Kindern bleiben muss und nicht mehr in der Stadt arbeiten kann, werde schlicht ignoriert. Außerdem, so Nagel, sei es eine Illusion zu glauben, man lebe im frei stehenden Einfamilienhaus ohne direkten Kontakt zum Nachbarn freier als in der Stadtwohnung. 
"Die größten Konflikte entstehen in diesen Gebieten. Es ist fürchterlich, was sich da zwischen Nachbarn abspielt”, 
weiß der Stadtplaner. Einen fast schon pathologischen Drang der Deutschen nach den eigenen vier Wänden hat der Architekturbuch-Verleger und Blogger Daniel Fuhrhop ausgemacht. “Fatal ist nicht der Traum vom Einfamilienhaus im Grünen, sondern der an Besessenheit grenzende Zwang, immer alles neu bauen zu wollen.
"Er verstehe nicht, warum sich nicht mehr Menschen für eines der vielen leer stehenden Einfamilienhäuser in schrumpfenden Gegenden entschieden. Oder wunderschöne Fachwerkhäuser auf dem Land sanierten. ”
Sich dieser Häuser anzunehmen, sie umzubauen und neu zu beleben, würde unseren Häusern, Dörfern und Städten guttun.“Doch auf ein gesellschaftliches Umdenken zu hoffen, dürfte vergeblich sein, glauben Experten. "Verantwortlich für die Scheußlichkeiten der Einfamilienhaus-Gebiete ist die Politik”, sagt Reiner Nagel und gibt damit auch die Meinung der meisten Stadtplaner wieder.Die Problematik der Zersiedelung sei den Politikern bekannt, nur beließen sie es meist bei Lippenbekenntnissen. 

Fachleute mit architektonischem und städteplanerischem Sachverstand seien im Zuge des Bürokratieabbaus und des Sparzwangs immer mehr eingespart worden.Kaum noch Einspruch in ästhetischen Fragen. 

Sogenannte “vorhabenbezogene Bebauungspläne”, erstellt von privaten Investoren, die Land für Siedlungen erwerben wollen, werden oft einfach vom Bürgermeister durchgewinkt, weil die Gemeinde auf diese Weise Geld sparen kann. Dann, so Reiner Nagel, “schaut keiner mehr drauf, und so sind auch die ganzen Bauberatungsabschnitte in den Gemeinden weggefallen, die früher von Architekten geführt wurden”.Diese hätten Einspruch in ästhetischen Fragen erhoben und Änderungsvorschläge gemacht. 

Etwa: “Nehmen Sie doch den roten Ziegel anstelle des leuchtend blauen”, oder: “Wie wäre es mit weißen Fenstern anstatt dieser quietschbunten?” So entstehen nun überall Häuser im Toskana- oder im englischen Landhausstil – der Tod der hiesigen Baukultur.Die geschmackliche Vielfalt ist aber auch der Tatsache geschuldet, dass es nur in den wenigsten deutschen Kommunen sogenannte Gestaltungssatzungen gibt, die ein Mindestmaß an architektonischen Vorgaben machen. 
“Dann könnte man beim Neubau in Norddeutschland zumindest einen regionaltypischen roten Ziegel und ein rotes Dach verwenden”, 
so Nagel.Ein weiteres Mittel gegen die Haus-Epidemie sieht er in den Änderungen der politischen Rahmenbedingungen, vor allem auch des Steuerrechts. Dass es immer noch eine Pendlerpauschale gebe, sei ein Skandal. Es sei zudem längst wissenschaftlich erwiesen, dass in den meisten Großstädten mit einem sehr guten öffentlichen Nahverkehrssystem die Folgekosten von Wohnen und Mobilität selbst bei hohen Wohnkosten in der Stadt geringer seien als auf dem Land.

Pendeln bleibt attraktiv
 Und auch die Tatsache, dass heute immer noch Neubaugebiete in den Speckgürteln der Städte aus Steuermitteln alimentiert würden, sei nicht länger hinzunehmen. Die Politik, so Reiner Nagel, diskutiere schon seit Langem, ob die Einkommensteuer am Arbeits- und nicht am Wohnort versteuert werden müsste, um das Pendeln unattraktiver zu machen. Doch passiert sei nichts.
Offenbar wirkt die staatlich verordnete Einfamilienhaus-Förderung der 1950er Jahre länger nach als vermutet. Kein Wunder, schuf Adenauers Wohnungsbauminister Paul Lücke doch damals die im Prinzip noch gültigen Gesetze zur Förderung des Einfamilienhauses – und der wünschte sich: “In Deutschland möge künftig der Bräutigam der Braut am Hochzeitstag den Schlüssel für das fertige Eigenheim überreichen!”

Anmerkung:
Wir sind der Meinung, die Diskussionen um das Thema Eigenheim sind noch nicht einmal angestoßen und sollten nun dringend in die Köpfe von Menschen wie Ihnen. Mit dem ebook Mythos Eigenheim, haben Sie die Möglichkeit etwas mehr über den finanziellen Todesstoß zu erfahren, den Sie erleiden könnten, wenn Sie falsch planen.

Anschrift und Geschäftssitz:
Deutsche Gesellschaft für RuhestandsPlanung mbH
Martin-Moser-Str. 27
84503 Altötting
Deutschland

Telefon  +49 (0)8671 - 9641-0
Telefax: +49 (0)8671 - 9641-15
E-Mail:   info@dgfrp.de


Jetzt Termin mit einem Ruhestandsplaner vereinbaren
http://goldener-ruhestand.de/termin